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  • Benedikt Jankowski, MA

Eloquenz ist nicht mehr sexy

Aktualisiert: 21. Jan 2020

Warum Unternehmen intern wie auch extern einfacher formulieren sollten.




Bla, bla, bla, Fachwort, kompliziert, langweilig! Wie die Wortgewandtheit im Unternehmensbereich nicht mehr das Gleiche auslöst wie früher. Hierzu meine ehrliche Meinung zum Thema.


Viele werden sich zuallererst denken: Das hat er nicht gesagt! Der spinnt doch! Erstens, doch, habe ich und zweitens, ja vermutlich aber das tut hier nichts zur Sache. Bevor ihr jetzt denkt, dass ich die Wortgewandtheit wie auch die Fachsprache komplett verurteile, lasst mich erst einmal ausreden. Gut, an eurer stelle bleibt sowieso nur das Weiterlesen oder das Wegklicken. Auch bitte ich euch, eure Meinung zu kommentieren aber bitte erst, wenn ihr euch meine angehört habt.


Also: Ich bin definitiv ein Befürworter des großen Wortschatzes und der Fachsprache. Was ich jedoch meine sind die Situationen, bei denen sie eingesetzt werden und das sowohl innerhalb wie außerhalb des Unternehmens.


Andere Abteilungen andere Sprachen


Ein Beispiel zur firmeninternen Thematik: Eine Abteilung, sagen wir einmal die Forschungsabteilung, hat ein Meeting. Alle kennen sich (hoffentlich) aus und sind auch bezüglich des Wortschatzes dementsprechend fit. Für ein Produkt sollten neue Eigenschaften entwickelt werden. Die Fachleute haben philosophiert und den idealen Weg gefunden, das Ziel zu erreichen. Super, oder?


Naja, jetzt muss man dies den Chefs oder anderen Abteilungen präsentieren. Der oder die „Glückliche“ darf das jetzt denen genauer erläutern. Also findet ein Meeting statt und alles wird vorgetragen. Jedoch ist die Reaktion eher negativ und das Konzept wird abgelehnt. Warum das denn jetzt?


Natürlich besteht die Möglichkeit, dass die Idee wirklich schlecht war. In diesem Falle war es etwas anderes. Die Fachperson hat mit demselben Wortschatz das Konzept erklärt wie im Gespräch zuvor mit den eigenen Leuten aus der Abteilung. Somit haben die Zuhörer nur Bahnhof verstanden und waren verwirrt wenn nicht sogar desinteressiert.


So, das meine ich mit „Eloquenz ist nicht mehr sexy.“ In solch einer Situation wird man entweder mit kritischen Fragen gelöchert oder das Publikum reagiert wie einst in der Schule. Die Lehrkraft möchte wissen, ob es noch Fragen gäbe und natürlich gibt es keine. Dabei hat man doch null verstanden, will sich aber die Blöße nicht geben.


Deshalb ist es wichtig, deutlich zu kommunizieren und sein Publikum zu kennen. Wer einen Standpunkt klar machen will, der soll dies auch deutlich und verständlich tun. Hätte der Redner oder die Rednerin ein verständlicheres Vokabular gewählt, dann wäre die Idee vielleicht besser angekommen.


Verstehe ich nicht, kaufe ich nicht!


Nicht viel anders verläuft die erfolgreiche Kommunikation mit seinen Kunden. Die wollen nämlich nicht mehr nur gut klingende Fachwörter um die Ohren geworfen bekommen. Natürlich ist die Strategie „noch“ erfolgreich, aber nicht mehr lange. Der Kunde 2.0 will verstehen was Sache ist. Ehrlichkeit und angepasste Sprache sind schwer im Kommen. Versteht der Kunde etwas nicht, dann wird auch nichts gekauft.


Wenn ich also einen neuen Laptop kaufen möchte, dann ist es ja schön und gut, dass dieser einen i7 Prozessor mit so und so vielen Blablas besitzt. Weiß ich aber nicht, in welcher Hinsicht mir das etwas bringt, dann ist das für mich ein Kräftemessen über etwas, worin ich mich nicht auskenne.


Versteht ihr was ich meine? Natürlich müssen die Angaben gemacht werden, bereits aus rein rechtlichen Gründen. Aber nur weil das Produkt über größere Zahlen verfügt, heißt es noch lange nicht, dass ich das brauche und immer mehr Kunden werden sich dessen bewusst.


Deshalb ist es besser, wenn man vielleicht auf die Wünsche der Kunden eingeht. Zum Beispiel mit einer Überschrift: „Der beste Freund für Autoren“ oder in der Art. Somit weiß ich, dass dies ein passendes Gerät für mich wäre, wenn ich viel schreiben muss. Wenn ich aber einen Gaming-Laptop will, dann ist das wohl eher nichts für mich. Eine kurze Beschreibung, wofür dieses Produkt gut ist und wofür nicht, ist besser, anstatt dass die Kundin oder der Kunde ständig recherchieren muss, was dies und jenes bedeutet.


Aber die Verkaufszahlen! Denkt doch bitte wer an die Verkaufszahlen!


Ich habe aber auch schon gehört: „Aber wir müssen doch an die Verkaufszahlen denken! Das verkauft sich dann doch nicht so gut!“ Nun, ich denke ja auch an die Zahlen, nur halt etwas nachhaltiger. Wenn der Kunde einen sehr teuren Laptop kauft, der dann völlig überzüchtet ist, dann denkt sich die Person: „Mensch, die haben mich veräppelt.“


Brilliert man aber mit der Ehrlichkeit und dem dazugehörigen Service, dann kommen die Kunden immer und immer wieder. Das soll doch das Ziel sein. Was sich definitiv verbessern wird ist die Kundenbeziehung. Wichtig zu merken ist: Kundenvertrauen sorgt für Nachhaltigkeit und sorgt zudem für kostenlose Werbung.


Warum sträuben sich dennoch so viele Unternehmen dagegen?


Unternehmen sind je länger je mehr von ihren Shareholdern abhängig und die wollen vor allem eines: schwarze Zahlen! Diese müssen dann auch noch immer „schwärzer“ werden. Das ist ja auch verständlich, denn wenn man schon Geld in etwas investiert, dann will man auch Profit daraus ziehen. Ist ja klar!


Wenn man aber bedenkt, dass man mit einer guten Customer Experience, also wie die Kunden das Unternehmen wie auch das Produkt erleben, ein kontinuierliches Wachstum erzielen kann, ersehe ich das als einen besseren Deal als ein ständiges Auf und Ab im Kurs.


Immer mehr und mehr Kunden und Konsumenten setzen auf den Service, denn, ob man jetzt ein paar Euro mehr oder weniger zahlt ist schlussendlich „Wurscht!“ Wenn ich dafür bei einem Defekt eine flotte Reparatur sowie eine faire wie auch gute Behandlung erhalte sowie nicht eine halbe Ewigkeit warten muss, dann ist mir das definitiv lieber.


Und jetzt noch etwas Wissenschaft


Natürlich habe ich meine Hausaufgaben gemacht, um euch auch Zahlen vorzuweisen. Ein wichtiger Aspekt der leicht zu lesenden Texte ist das Prinzip des „Easy-to-Read“ (E2R). Darunter versteht man zwei Dinge. Eine Definition lautet, dass man den Text lesbarer aber nicht verständlicher gstaltet. Sprich, die Leser haben mehr Konzentration für den Inhalt. Den Text leichter zum Lesen wie auch zum Verstehen macht ist die zweite Definition.


Was die Konzentration betrifft: Im Jahr 2013 hat Microsoft in Kanada eine Aufmerksamkeitsstudie durchgeführt. Dabei kam raus, dass die Aufmerksamkeitsdauer von 12 Sekunden im Jahr 2000 auf 8 Sekunden im Jahr 2013 gesunken ist. Schockierend? Nun, wie man’s sehen will, denn es kam heraus, dass die Probanden dafür besser im Multitasking sind. Dies ist aber ein Thema für einen eigenen Bericht.


Dann noch die Lesbarkeit: Zwar stammt die folgende Studie von Canada Statistics aus dem Jahre 2000, jedoch wird sich hinsichtlich der Lesekompetenz nicht allzu viel verändert haben. Obwohl die teilnehmenden deutschsprachigen Staaten Deutschland und die Schweiz besser als der Durschnitt abschnitten, lag die unzureichende Lesefähigkeit in Deutschland bei 42 % und in der Schweiz sogar bei knapp 50 %.


Was bedeutet die Zahlen also?


Wie ihr sehen könnt, haben viele Deutschsprachige beim Lesen Probleme. Das sind alles potentielle Kunden, die einem entgehen könnten. Auch die Aufmerksamkeitsstudie zeigt, dass nicht die Texte aber die Sätze kürzer werden müssen. Berücksichtigt man solche Zahlen, so kann man beim Texten, Marketing und auch im Unternehmen sehr viel erreichen.


Das Ganze kurz


Punkt 1: Ja, Fachsprache wie auch Eloquenz ist wichtig und gut. Jedoch kommt es auf die Situation an, wie sehr man ins Detail gehen und ausschmücken muss. Die Frage, die man sich stellen sollte wäre: Ist es für die andere Person relevant, dass ich jetzt so genau werde?


Punkt 2: In vielen Unternehmen werden unterschiedliche Bezeichnungen in unterschiedlichen Abteilungen mit unterschiedlichen Fachbereichen verwendet. Ist man sich dessen bewusst, ist schon ein wichtiger Schritt hinsichtlich besserer Kommunikation getan.


Punkt 3: Fachgelaber im Verkauf ist nicht mehr so sexy wie einst. Kunden wollen wissen, was das Produkt kann und was nicht. Veräppelt man seine Kundschaft, kann das einem sehr teuer zu stehen kommen.


Punkt 4: Ziel soll es sein, kontinuierliches Wachstum durch Kundenvertrauen und Kundenerlebnis zu generieren. Vertraut einem die Kundschaft, dann bleibt sie einem treu. Ist sie aber skeptisch, so schwirren sie bald einmal zum Konkurrenten ab.


So das war meine ehrliche Meinung zum Thema. Wenn ihr etwas dazu sagen wollt oder gar anderer Meinung seid, lade ich euch ein, dies in den Kommentaren zu teilen. Wer weiß…vielleicht entsteht ein richtig guter Diskurs.



Quellen:


https://www.ifla.org/files/assets/hq/publications/professional-report/120.pdf

http://dl.motamem.org/microsoft-attention-spans-research-report.pdf

http://www.oecd.org/education/skills-beyond-school/41529765.pdf

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