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  • Benedikt Jankowski, MA

Mit externen Übersetzern zusammenarbeiten

Wie Sie als Unternehmen Geld sparen können


Die Aufgabe scheint klar zu sein: Als internationales Unternehmen benötigt man einen Text oder die Übersetzung davon. Das bedeutet: Übersetzer oder Texter suchen, Auftrag übermitteln, abwarten und das (hoffentlich einwandfreie) Ergebnis erhalten. Dieser Beitrag befasst sich mit eigenen Erfahrungen als freiberuflicher Übersetzer und Texter in Zusammenarbeit mit Unternehmen.


Bevor jetzt aber all meine Kolleginnen und Kollegen aufschreien und meinen, dass ich Preise senken will…keine Angst! Das ist nicht mein Vorhaben. Hierbei handelt es sich um eigene Erfahrungen und was bei der Kommunikation in Zusammenarbeit mit Unternehmen besser hätte funktionieren können. Somit ist dies eher ein Guide für Auftraggeber, um in Zukunft keine unnötigen Kosten zu generieren.


Das Honorar


Das Problem


Und Peng! Doch der Preis. Nun, indirekt, denn viele Unternehmen halten sich nur an die Zahlen, die in der Buchhaltung auftauchen. Wenn also eine Übersetzung so und so viel kostet, dann wird so und so viel auch in der Buchhaltung verzeichnet sein. Ist doch klar oder nicht?


Naja, denn Sie müssen die versteckten Kosten bedenken, die ein Unternehmen für eine Übersetzung investieren muss. Man korrespondiert mit der externen Fachperson (via Mail oder Telefon), um Einzelheiten zu besprechen und den Preis erst einmal festzulegen. Das kostet Zeit (im schlimmsten Fall sogar sehr viel) und Geld.


Hierzu ein persönliches Beispiel:


Bei einer Übersetzungsanfrage eines Wirtschaftstextes wurde ich zuerst telefonisch hinsichtlich des Preises und der benötigten Zeit gefragt. Ich konnte ohne Text nur den Zeilenpreis nennen, da ich ohne Text keine Angaben machen konnte.


Später erhielt ich diesen und konnte den Voranschlag machen. Das Resultat: Zu teuer, zu lange und erwartet wurde, dass ich die Übersetzung für einen Bruchteil des Geldes machen soll. Preisdumping ist ein enormes Problem im Bereich Übersetzen.


Ich verwies auf die vom Übersetzerverband vorgeschriebenen Preise sowie auch andere Punkte bezüglich Korresponenz und anderen Punkten. Was folgte war ein dreistündiger Mailverkehr, wobei der Preis wie auf einem Basar verhandelt wurde. Schlussendlich lehnte ich den Auftrag ab.


Später die Woche erhielt ich eine Mail, dass der Preis doch passt, da die anderen Übersetzer ähnlich reagierten. Meine Antwort: Das Korrespondieren kostete das Unternehmen sicherlich das Vierfache des Übersetzungspreises, da so viel Zeit verschwendet wurde; von der Kontaktperson, den Vorgesetzten und vielleicht auch noch zu den Kollegen. Dies wird aber vermutlich nicht in der Buchhaltung auftauchen und der Auftrag als Erfolg gewertet, sollte ein Übersetzer den Preis senken.


Die Lösung


Was Sie wissen müssen ist, dass Übersetzer sich zur Verschwiegenheit verpflichten. Deshalb können Sie (meistens) Dokumente ohne Probleme gleich beim ersten Kontakt mitschicken. Auf diese Art und Weise kann sofort ein genauer Preisvorschlag gemacht werden. Ansonsten können Sie zuerst eine Verschwiegenheitsklausel unterzeichnen lassen.


Um auch eine gewisse Preisahnung zu haben, empfehle ich Ihnen, die vom Verband (Universitas) vorgeschlagenen Honorare anzuschauen. Die (meisten) Übersetzer orientieren sich daran, was eine Basarsituation von Anfang an und die damit verschwendete Zeit gleichzeitig verhindert.


Ebenfalls wichtig ist der Preisfaktor. Handelt es sich um einen Eilauftrag, erhöht sich dementsprechend auch der Preis. Für Übersetzer, die auch einmal ihren Schlaf benötigen, bedeutet das eventuell Nachtschichten oder ungünstige Arbeitszeiten. Zudem müssen die Übersetzer auch vom Auftrag leben können, da Steuerabgaben folgen und die Korrespondenz ebenfalls im Preis enthalten ist.


Hilfsmittel


Das Problem


Sie müssen sich vorstellen, dass für Übersetzer jeder Kunde etwas anders ist. Manchmal werden unterschiedliche firmenspezifische Bezeichnungen verwendet, manche verlangen einen speziellen Schreibstil, usw. Viele Unternehmen sehen Übersetzer als Maschine, die sofort über jedes Unternehmen und Thema Bescheid wissen. Jedoch ist das selten der Fall, denn Freiberufler besitzen meist mehrere Kunden und somit auch Fachgebiete.


So passierte es, dass ich einen dreistündigen Film ohne Transkript ins Englische übersetzen musste; und das in nur drei Tagen! Der Kunde war gewillt, eine Person als Korrespondenz zur Verfügung zu stellen und sogar mehr zu zahlen. So weit so gut.


Aufgrund der zum Teil schlechten Tonqualität und vieler interner Bezeichnungen musste ich regelmäßig (fast stündlich) nachfragen. Die Korrespondenz war also an einem Wochenende lange beschäftigt und ich verbrachte auch nur vier Stunden schlafend (insgesamt), um den Auftrag fertigzustellen. Gottseidank passte die Übersetzung und Fehler wurden ebenfalls keine gefunden.


Neben dem hohen Preis für die Übersetzung musste zusätzlich eine Person zum Wochenendpreis verwendet werden, was das Unternehmen viel Zeit kostete. Hinzu kommt, dass aufgrund des engen Zeitplans und Schlafmangels Fehler sehr schnell hätten passieren können. Dies stellt eine zusätzliche Gefahr dar.


Die Lösung


Wenn Sie zum ersten Mal mit Übersetzern zusammenarbeiten wird einer Frage sehr häufig gestellt: Besitzen Sie eine Translation Memory (TM) oder eine Termbank/Terminologie (TB)? Eine TM ist eine Datenbank, bei der vorherige Übersetzungen abgespeichert und in Programme von Übersetzern eingespeist werden können. Auch eine Terminologie ist sehr hilfreich, da Übersetzer so nicht immer nachfragen müssen, ob das Unternehmen eigene Bezeichnungen verwendet oder nicht. Kurz gesagt: Sie sparen sich viel Korrespondenzzeit und in manchen Fällen wird Ihnen sogar der Preis ermäßigt, da die Terminologie oder TM sich als sehr hilfreich herausstellt.


Das bedeutet nicht, dass die Übersetzer bezüglich des Auftrags weniger zu tun haben, aber es ist einerseits enorm hilfreich und andererseits sparen Sie Geld. Es muss nicht immer nachgefragt werden und die Übersetzer sind sich bei ihrer Arbeit stets sicher.


Qualitativ nimmt das Resultat ebenfalls zu. Es müssen keine unnötigen Recherchen durchgeführt werden, da die richtige Bezeichnung sofort angezeigt wird. Sollte diese noch nicht existieren, so kann der Übersetzer diese zur TB hinzufügen. Sollten Sie in Zukunft ebenfalls mit anderen Übersetzern zusammenarbeiten, so sparen Sie sich auf lange Dauer Unmengen an finanziellen Mitteln, die Sie woanders besser einsetzen können.


Fazit


Sie sehen also: Den Preis unter den regulären zu drücken ist nicht lukrativ. Meistens kostet Sie dies nur versteckt zusätzlich Zeit, Geld und Nerven. Eine gute Vorbereitung bezüglich Kommunikation mit externen Fachkräften kann über Erfolg und Misserfolg entscheiden.


Versetzen Sie sich deshalb in die Lage der externen Fachkräfte und versuchen Sie, so viele Informationen wie möglich bereitzustellen. Zudem sollten Sie eine gewisse Ahnung hinsichtlich des Preises haben, da diese Preise meist einen Hintergrund haben. Es kann Ihnen auch helfen, sollte ein Übersetzer einen viel zu hohen Preis verlangen.


Somit ist die Devise: vorbereiten und vorsorgen. Sie sollten wissen, was es kostet, was man zur Berechnung benötigt und was man den Übersetzern als Hilfe alles zur Verfügung stellen kann. Die Übersetzer werden es Ihnen danken und solch ein Verhalten sogar mit einer Preisminderung belohnen, denn der Zeitaufwand für die Übersetzer sinkt somit ebenso. Und, was Ihnen helfen wird, Sie sparen dabei viel Zeit und Geld.

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